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#outofherbox | Interview mit Jacqueline Taborsky von

entire stories

Wir lieben das, was wir tun [...]

Jacqueline Taborsky

Wir freuen uns sehr, dass Jacqueline Taborsky von „entire stories“ Zeit gefunden hat, mit uns über den Gründungsprozess von „entire stories“ und ihre Erfahrungen als Gründerin zu sprechen. „entire stories“ hat seinen Firmensitz in Wildeshausen, Niedersachsen.

Jacqueline, magst Du Dich und „entire stories“ vorstellen? Wer seid Ihr, was genau macht Ihr und wie seid Ihr auf die Idee gekommen, zu gründen?

Super gerne. Mein Name ist Jacqueline Taborsky, ich bin 27 Jahre alt und habe zusammen mit Elena Gerdes und Cedric Michael im Winter 2020 „entire stories“ gegründet. Elena hat einen B.A. in International Studies of Global Management der Hochschule Bremen, Cedric Michael ist B.A. im Bereich Wirtschaftsinformatik und ich habe Medienwirtschaft und Journalismus an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven studiert und mit einem B.A. abgeschlossen. Elena und ich kennen uns über einen gemeinsamen Arbeitgeber im Fashion-E-Commerce-Bereich und haben im Frühjahr 2019 festgestellt, dass wir in unserem eigenen Konsumverhalten in Bezug auf Kleidung eine Veränderung durchmachen. Wir haben kritisch hinterfragt, wo unsere Kleidung herkommt, wie sie produziert wird, wer genau an der Wertschöpfungskette beteiligt ist und wie die Leute bezahlt und behandelt werden.

Jacqueline Taborsky und Elena Gerdes (v.l.n.r.)

Wir hatten den Eindruck, dass zunehmend mehr Menschen dieselben Überlegungen anstellen, es aber noch keine Anlaufstelle gibt, bei der man sich über Labels, die besser produzieren und Mode, die ethischer hergestellt wird, informieren und diese dann auch kaufen kann.

Elena kommt aus einer Gründer_innenfamilie, wir sind beide sehr engagiert im Job, also warum nicht unser eigenes Ding machen und selber diese Plattform schaffen? 

Durch Marktforschung haben wir festgestellt, dass Kund_innen aktuell im Fair Fashion-Bereich nicht die Mode finden, die sie suchen und dass sie das Angebot im Bereich Fair Fashion sowohl online als auch offline vermissen. Daneben würden sie mehr Fair Fashion kaufen, wenn die Mode stylischer wäre. Wir wollen faire Mode stylisch, zugänglich und verständlich machen, so dass jede(r), der/die besser shoppen will, auch besser shoppen kann. Wir bieten fair produzierte Fashion, Accessoires und Schmuck an. 

Wie habt Ihr die Gründung vorbereitet?

Mitte 2019 haben wir unsere Vollzeit-Jobs gekündigt, sind in Teilzeit-Jobs gewechselt und haben angefangen zu konzipieren. Nach und nach haben wir die Idee weiter konkretisiert, sind erst einmal mit einem Blog gestartet, um den Markt anzutesten, haben mit vielen Fair Fashion Labels gesprochen, um neben den Wünschen der Kund_innen auch die Wünsche der Labels zu erfahren. Im Anschluss sind wir mit einem Basic-Produkt live gegangen, um zu schauen, wie die Kund_innen darauf reagieren und wie wir an die Marken herankommen. Das hat sehr gut funktioniert, wir wussten dann sehr genau, was wir anders machen müssen als die Plattformen, die es schon gibt, z.B. auf der Homepage besser auf die Suchanfragen zugeschnittene Filtermöglichkeiten oder auch Inspirationen anzubieten.

Habt Ihr Vorbilder?

Wir haben nicht das eine Vorbild, von dem wir sagen, dass die oder der uns inspiriert hat. Es gibt aber natürlich viele inspirierende Gründer_innen, von denen wir viel halten und von denen man sich an unterschiedlichen Stellen gut etwas abgucken kann. Wir sind z.B. große Fans von den Mädels von „The Female Company“ oder „Ooia“, von der Gitti-Gründerin Jennifer oder den „Einhorn“-Gründern mit dem „Impact First“-Gedanken. Da sind viele tolle Eigenschaften bei den Gründer_innen dabei, von denen wir uns auf jeden Fall inspirieren lassen. Viele von ihnen beobachten wir auch schon länger, und bei denen kann man sagen, dass die wissen, wie es geht, ihren Weg schon gegangen sind und eben auch nicht auf dieser konventionellen Ebene, sondern mit einem Impact-Startup. Auf solche Unternehmen schauen wir besonders, weil das auch unsere Richtung ist. Wir haben „entire stories“ aus einem persönlichen Need gegründet und nicht, um einen möglichst schnellen Exit hinzulegen. Wir wollen die Modebranche verbessern und Fair Fashion für jeden zugänglich machen, und dementsprechend ist der Zweck bei uns immer höher gewichtet als z.B. grenzenlose Umsatzmaximierung.

Seid Ihr auch in Kontakt mit diesen Vorbildern, die Euch inspirieren?

Ja, wir sind mit einigen im Austausch, und eine der Gründer_innen von Erlich Textil sitzt z.B. auch in unserem Beirat. Man kommt gut an solche Persönlichkeiten ran, wenn man jemanden kennt, der diesen Kontakt herstellen kann, aber wenn man eine gute und thematisch passende Ansprache wählt, funktioniert eine solche Kontaktaufnahme auch ohne eine Vermittlung. Wir haben uns über die entsprechenden Personen im Vorfeld informiert, uns z.B. Podcasts angehört, um so in der Lage zu sein, ein gutes Gespräch aufbauen zu können, und so hat es dann auch so mit dem Kontakt geklappt. Viele von den Menschen, die uns inspirieren, sind auch in unserem Alter. Wir arbeiten alle an dem gleichen Ziel, es sind alles Leute aus der Impact- oder Fair Fashion-Branche, die extrem hilfsbereit sind. Die Fair Fashion-Branche ist generell schon eine sehr hilfsbereite, authentische und nahbare Branche.

Wie seid Ihr das Thema Finanzierung/Kapitalbeschaffung angegangen?

Wir haben uns im ersten Jahr vorrangig auf die Stipendiensuche fokussiert. Wir wussten, dass ein Marketplace-Model wie das unsere ein kapital- und aufwandintensives Business ist, das sich nicht so leicht nebenbei gründen lässt. Deshalb war uns in einem ersten Schritt wichtig, unsere Gehälter zu finanzieren, damit wir mehr Zeit haben, das Ganze ordentlich an den Start zu bringen. Wir haben das niedersächsische Gründer_innen-Stipendium bekommen, über das wir unser Gehalt finanzieren. Denn unser Geschäftsmodell fängt erst dann an, sich zu rechnen, wenn es jede Menge Traffic und Bestellungen auf der Plattform gibt. Zu Beginn braucht es von daher einfach ein gewisses Anfangsinvestment. Deshalb war uns auch von Anfang an klar, dass wir mit Business Angels und Investoren sprechen müssen. Wir waren da zu Beginn auch etwas grün hinter den Ohren. Was uns allerdings rückblickend sehr geholfen hat, ist dass wir sehr früh angefangen haben uns austauschen und zu networken. Wir haben vor Corona auch bei ein paar Contests gepitcht, da waren wir noch in der Konzeptionsphase, also ziemlich früh im Prozess, aber dadurch konnten wir üben und lernen worauf es bei diesen Terminen ankommt. Von Tag 1 haben jede Menge Ablehnung bekommen, aber aus jedem „Nein“ lernt man ja auch – auch wenn es das nur ist, dass man nicht so gut zusammenpasst, was das Business angeht. Häufig kam auch die Rückmeldung, dass Marketplace ein schwieriges Geschäftsmodell ist. Es wird daneben extrem viel Wert auf Skalierung gelegt, was im Bereich Venture Capital auch sinnvoll ist, schnell zu wachsen.
Unser Bestreben ist es auch, zu wachsen, aber in einem gesunden Rahmen. Deshalb ist uns wichtig, die Business Angels zu finden, die mit uns wachsen wollen, aber nicht um jeden Preis. Wir wollten von Anfang an nicht in diese Bredouille kommen, dass wir von externen Geldgeber_innen gedrängt werden, aufgrund von Wachstumszielen unsere eigenen Werte hintenanzustellen. Deshalb haben wir auch von Anfang an geschaut: Was ist eigentlich die Agenda des Gegenübers? Was will er/sie mit dem Investment bei uns bezwecken? Uns ist wichtig, mit Leuten zusammenzuarbeiten, mit denen wir ins Sparring gehen können bei Themen, in denen sie gut sind, und wir so „entire stories“ gemeinsam profitabler gestalten können.

Euer Ansatz ist also auch beim Thema Finanzierung, sich mit dem Gegenüber auf Augenhöhe zu bewegen und partnerschaftlich zusammenzuarbeiten?

Genau. Das war uns von Anfang an super wichtig. Deswegen sind wir auch nicht dem Weg des Geldes gefolgt, sondern haben eher geschaut, welche Persönlichkeiten wir kennen, die vielleicht Lust haben, Sparringspartner_in zu werden und Geld in uns zu investieren. Und das hat auch sehr gut funktioniert. Aber man muss dazu sagen, dass das extrem viel Arbeit ist, es ist ein sehr, sehr großer Zeitfaktor. Das sagt einem zwar jeder, wir haben es aber trotzdem unterschätzt. Man hat häufig sehr viele Leute, die das cool finden, was man macht, die dann am Ende trotzdem „Nein“ sagen, wenn es darum geht, Geld zu investieren.

Hast Du sonst noch Tipps zum Thema Finanzierung?

Wenn ich eine Handlungsempfehlung geben sollte, würde ich sagen, dass man auf jeden Fall gut beraten ist, im Vorfeld bei Leuten zu üben, die nicht ganz oben auf der Liste stehen und dann die Leute anzufragen, die man unbedingt will. So kann man Feedback einsammeln, sieht, was gut ankommt und was nicht und wo man möglicherweise auch noch das Pitchdeck überarbeiten sollte. Man merkt auch an den Fragen in diesen Gesprächen, was man transportiert bekommt und was nicht. Und wenn dann auffällt, dass z.B. der USP beim Gegenüber gar nicht ankommt, kann man seine Präsentation nochmal überarbeiten und verbessern für den Pitch vor den Leuten, die man wirklich als Investor_innen mit reinholen will.
Darüber hinaus sollte man immer mehr Leute anfragen als man braucht, weil es am Ende nur ein paar Leute sein werden, die tatsächlich investieren. Auch sollte man genau überlegen, wieviel Prozent man zu welcher Bewertung abgeben will in der Frühphase, um sich später nicht für Kapitalgeber_innen in den Folgerunden uninteressant zu machen. Am besten ist also eine möglichst hohe Bewertung mit möglichst geringem Kapitalinvest zu Beginn, um flexibel zu sein und zu bleiben, was die Anteile angeht, die man an der Firma noch selber hält.

Wie lange hat dieser Prozess der Investorensuche ganz konkret gedauert?

Sechs bis neun Monate sollte man auf jeden Fall einplanen. Auch die Vorbereitung kostet Zeit. Je nachdem, ob man mit Eigenkapital oder Wandelanleihen arbeiten will, müssen Rechtsdokumente erstellt werden, es gibt Notartermine, es finden Abstimmungen statt, man muss die Vertragsgegebenheiten mit beiden Parteien klären, bis alle einverstanden sind. Auch kommen Ferien- und Urlaubszeit dazu, in denen jemand nicht erreichbar ist. Wenn man in der Frühphase mit Business Angels spricht, sind das in der Regel Leute, die ein eigenes Startup haben oder einen Fulltime-Job, die auch teilweise nicht erreichbar sind und es schon auch zwei Wochen dauern kann, bis man eine Rückmeldung erhält. Insofern braucht man einen zeitlichen Puffer.
Es gibt im Internet Dokumente, mit denen man die Investor_innensuche vorbereiten kann, dort sammelt man die Business Angels und Investor_innen, mit denen man spricht. Man hält fest, mit wem man mit welchem Stand auseinandergegangen ist. Dieser Überblick ist wichtig, damit man aufgrund der Anzahl nicht durcheinanderkommt und nicht unvorbereitet oder auf dem falschen Stand ein nächstes Gespräch geht. Es ist also auch gewissermaßen Relationship Management. Man hat so auch immer präsent, bei wem man sich wann mit was zurückmelden muss, denn am Ende ist man immer in der Bringschuld. Die Investor_innen und Business Angels melden sich oft nicht aktiv, sondern das Startup meldet sich, um einen aktuellen Stand durchzugeben. Es ist auch wichtig, seine Unterlagen und Zahlen immer aktuell zu halten und bereit zu haben, falls doch eine Anfrage kommt. Ich verbringe 60-70% meiner Zeit mit Investor Relations.

Welche Erfolge habt Ihr bis jetzt erzielt? Worauf seid Ihr besonders stolz?

Wir sind sehr stolz auf die Auswahl an Marken, die wir bis jetzt haben und mit denen wir zu Beginn live gegangen sind. Wir sind mit 20 Brands gestartet, darauf waren wir schon sehr stolz. Da hat sich die Vorarbeit vor dem Launch bemerkbar gemacht. Auch die Marken aus dem Blog mit in den Shop zu ziehen, hat sehr gut geklappt.
Wir haben im Juli 21 einen Relaunch von unserem Shop durchgeführt, das ist auf jeden Fall ein Meilenstein gewesen, weil wir so unseren Kund_innen eine bessere Userexperience im Shop bieten können.

Wir sind daneben Supporter_innen von CreateF, einer Gründerinnen-Show, die diesen Spät-Sommer startet. Dort statten wir die Moderatorin mit unseren Looks aus. Das ist ein sehr cooles Format, das authentisch den Gründungsprozess von angehenden Gründerinnen begleitet. Es werden auch zwei Investorinnen im Rahmen dieses Formates ausgebildet. Es werden beide Seiten beleuchtet, weil sowohl auf der Seite der Gründerinnen als auch der Investorinnen Frauen stark unterrepräsentiert sind. Die Show möchte ein Spotlight auf die Frauen dieser Szene richten. Wir sind Teil der Show mit Kurzauftritten oder auch als Gast, darauf sind wir auch sehr stolz.

Welchen herausfordernden Ereignissen standet Ihr während der Gründung und in der ersten Zeit danach gegenüber, und wie habt Ihr diese gemeistert?

Erstmal läuft grundsätzlich nie alles glatt, weil man ganz viel zum ersten Mal macht. Und es ist auf jeden Fall eine Herausforderung, mit diesen Aufs und Abs umzugehen. Es ist relativ verlässlich, dass nach jedem Tief ein Hoch kommt und nach jedem Hoch ein Tief. Das geht relativ schnell von „Krass, wie gut das gelaufen ist“ hin zu „Wie kriegen wir diesen Karren wieder aus dem Dreck gezogen?“. Womit wir vor allem im Lockdown zu kämpfen hatten, war die fehlende Balance zwischen Arbeit und Freizeit, das Fehlen von sozialen Kontakten. Automatisch nimmt die Firma, die ja schon immer einen großen Stellenwert hat, einen noch größeren Stellenwert ein, weil es nichts anders mehr gibt. Dinge, die in so einer Zeit nicht so gut laufen, bewertet man stärker negativ als man das tun würde, wenn es einen präsenteren Ausgleich im Privaten geben würde. Ich bin froh, dass wir im Gründer_innenteam so eng miteinander sind, so ehrlich und offen und zwischendurch immer auch fragen, was die anderen neben der Arbeit umtreibt, dafür Raum geben und auch dafür Verständnis haben, wenn jemand sagt: „Ich kann heute gerade nicht an einem Termin teilnehmen.“ Man hat konstant ein hohes Arbeitspensum, und das kann auch erschöpfend sein.
Die ganze Gründungsbranche ist stark auf High Performance und Erfolge getrimmt, gekennzeichnet durch Bilder von sprudelnden Umsätzen und Exitplänen. Hier ein realistischeres Bild zu schaffen, ist mit Sicherheit hilfreich. Man steckt viel Zeit und Herzblut in das Unternehmen, und trotzdem gibt es Misserfolge. Und das ist auch OK, man lernt aus jedem Fehler und passt sich entsprechend an und verändert Dinge. Wichtig ist, dass man ein Team hat, auf das man sich verlassen kann und dass man sich in solchen schwierigen Situationen auch gegenseitig entlastet und unterstützt.

Man ist sein eigene(r) Motivator_in, sein eigene Kontrolle, sein eigene(r) Chef_in, diese ganzen Rollen zu managen, ist herausfordernd – sich hier dann aus einer der Rollen temporär herausziehen zu können und das im Team zu besprechen, hilft sehr in anstrengenden Phasen.

Wir hatten daneben einen dicken Bug, bei dem in unserem Shop die Verbindung zu den Marken nicht funktioniert hat, mit ziemlich schwerwiegenden Konsequenzen, was Zuordnungen von Artikeln, Tags und auch Preisen anging. Zu dem Zeitpunkt hatten wir schon über 1000 Produkte im Shop. Das ist uns erst zwei, drei Tage später aufgefallen, es war Samstag, wir waren alle anderweitig unterwegs, haben alles stehen und liegen gelassen, sind sofort nach Hause gefahren, haben uns vor den Laptop gesetzt und versucht, das wieder gerade zu biegen. Da habe ich mich schon gefragt, ob wir das alles wieder so hinkriegen. Im ersten Moment war das ein echter Schock und sah wirklich Horror aus, doch nach einer Analyse und Aufteilung von Aufgaben auf uns drei haben wir das doch wieder gut hinbekommen.

Würdest Du sagen, dass die Gründung und das Führen eines Unternehmens Dich in Deiner Persönlichkeit und Deinem Verhalten verändert hat?

Man entwickelt die Mentalität „Geht nicht gibt‘s nicht“, man macht ständig Sachen, die man noch nie gemacht hat, eignet sich neue Dinge an, probiert irgendwas aus. Wir haben in so viele Bereiche Einblick bekommen und Knowhow entwickelt, von denen wir vorher keine Ahnung hatten, dass ich mittlerweile denke, dass wir alles irgendwie hinkriegen. Egal, was kommt, ich bin mir sicher, dass wir dafür eine Lösung finden. Das ist eine Macher_innenmentaität gepaart mit einem Grundvertrauen in sich selbst. Mal klappen Dinge besser, mal schlechter, aber man bekommt es immer irgendwie hin.

Wir beschäftigen uns so tiefgehend mit dem Thema Nachhaltigkeit, auch mit Ethik und Moral, mit Arbeitskonzepten und Arbeitsbedingungen, dass man sich in Toleranz üben muss, zuzulassen, dass es noch andere Formen von Konsum im persönlichen Umfeld gibt. In unserem Freundeskreis sind wir mittlerweile die „Nachhaltigkeitspolizei“ und Leute entschuldigen sich schon im Vorfeld bei uns, dass sie anders konsumieren, obwohl wir gar nichts dazu sagen. Man wird aber auch gefragt und um Rat gebeten, und das finde ich schön. Weil wir uns mit dem Bereich so viel beschäftigen, können wir eben auch helfen. Es ist schön zu sehen, dass man so in seinem persönlichen Umfeld einen Impact hat und auch dazu beitragen kann, dass die Leute beginnen, umzudenken. Das ist ja auch das, was wir mit „entire stories“ erreichen wollen, nur auf einem anderen Level, nicht nur im persönlichen Umfeld.

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Was würdest Du heute anders machen?

Wenn wir „entire stories“ nochmal gründen würden, wären wir dieses Mal schneller. Alles, was wir gemacht haben, hat uns weitergebracht, ich würde nichts grundlegend ändern. Wir würden nicht mehr so lange am Businessplan schreiben, in der Ausführlichkeit hätten wir den Plan nicht gerbraucht. Trotzdem war es sinnvoll und hatte seine Berechtigung, viele der Ausarbeitungen und Erkenntnisse aus den Analysen konnten wir im Nachgang verwenden.
Wir hatten generell an einigen Stellen sehr grundlegende Entscheidungen zu treffen, und wir haben uns nach meiner Wahrnehmung an diesen Stellen immer richtig entschieden. Wir haben an diesen Stellen immer auf unser Bauchgefühl gehört, und das hat sich als richtig erwiesen.

Welche Eigenschaften sind für gründungswillige Frauen oder Gründer in Deinen Augen am wichtigsten?

Das angesprochene Bauchgefühl ist bei strategischen Entscheidungen super wichtig. Es ist auf jeden Fall auch wichtig, sich seiner Verantwortung bewusst zu sein. Daneben ist extrem viel Disziplin gefragt, der Hype der ersten Zeit flacht irgendwann ab, und man kommt in den Daily Business-Modus.
Wir lieben das, was wir tun, aber es gibt immer auch Phasen, wo man einige Aufgaben, die einfach Horror sind, und die auch gerne mal einige Wochen dauern, erledigen muss. Man macht all die geilen Sachen, aber eben auch die, die nicht so viel Spaß machen. Man muss sich selbst disziplinieren und sich das große Ziel immer wieder vor Augen führen und die Dinge, die notwendig sind, um dorthin zu gelangen.
Resilienz finde ich auch wichtig und Risikobereitschaft. Wenn man immer nur den sicheren Weg wählt, stößt man früher oder später an Grenzen. Das ist auch OK, je nachdem, was man für ein Typ ist. Man sollte sich ein Business Model aussuchen, das zu dem eigenen Risikoempfinden passt. Unser Business Modell ist ziemlich risikobehaftet und kapitalintensiv, aber damit fühlen wir uns wohl. Meiner Meinung nach musst du dich wohlfühlen, ansonsten lähmt das. Wenn man das Gefühl hat, dass der Druck so groß ist, kann man nicht befreit arbeiten. Ich würde mich innerlich nicht so zerreißen wollen.

Glaubst Du, dass man eine höhere Risikoaffinität lernen kann?

Dieses persönliche Risikoempfinden ist meiner Meinung nach in der Persönlichkeit angelegt und kann nicht grundlegend geändert werden. Was geändert werden kann, ist die Konditionierung durch das Elternhaus. Wenn man zu Hause ein starkes Sicherheitsbedürfnis vermittelt bekommen hat, kann man sich da herausentwickeln und ein Verständnis dafür entwickeln, dass es andere Formen von Sicherheit gibt. Die grundsätzliche Bereitschaft muss bei einer Gründung aber da sein, ein Stück Sicherheit abzugeben. Oder man muss sich die Sicherheit in einem anderen Lebensbereich geben, z.B. über die Eltern oder den/die Lebenspartner_in oder z.B. eine eigene Immobilie. Das ist natürlich sehr privilegiert, das kann sich nicht jede(r) leisten.

Hast Du daneben noch Gedanken oder Tipps, die Du mit potenziellen Gründerinnen teilen möchten?

Es ist extrem hilfreich, und das haben wir am Anfang unterschätzt, wenn man sich mit anderen Gründer_innen vernetzt und austauscht, auch aus der Mental Health-Perspektive. Man denkt, dass alle um einen herum besser, weiter, schneller und erfolgreicher sind. Doch wenn man mit den Leuten spricht, sieht man, dass alle mit den gleichen Problemen kämpfen und alle nur mit Wasser kochen. Die Dinge sehen nach außen immer glatter aus als aus der Innenperspektive, und wenn man ehrlich darüber spricht, sieht man das und das beruhigt einen.  
Wir hatten zu Beginn kein ausgeprägtes Netzwerk und haben gelernt: Wenn man fragt, bekommt man Hilfe, bekommt Kontakte oder auch Tools. Man hilft sich gegenseitig, alle sind offen für Austausch, diese Gespräche bringen beide Seiten weiter, jede(r) kann von jedem/r lernen. Man sollte sich nicht scheuen, auch unbekannte Leute anzufragen, sich so viel wie möglich austauschen. Das nimmt die Unsicherheit, die Gründer_innenbranche wird so nahbarer und auch menschlicher.

Wir sind daneben vom Typ eher „understatement“, aber die Gründer_innenszene und da insbesondere die Männer gehen extrem gerne richtig selbstbewusst raus mit Zahlen, mit Ambitionen, mit dem, was sie schon erreicht haben. Wir haben diverse Male festgestellt, dass andere Teams, die sich entweder auf gleiche Sachen beworben haben wie wir oder die ähnliche Sachen machen, so selbstbewusst mit etwas Schlechterem rausgegangen sind als wir. Wenn man sich dann vorstellt, dass da ein Investor_innen-Team sitzt und die gucken sich zehn Pitches am Tag an und neun von denen sagen, dass das das Beste ist, was es gerade gibt, und dann kommt ein Frauenteam und sagt, dass da noch ein bisschen Potenzial nach oben ist, dann verliert man. Deswegen muss man dieses Game mitspielen und auch sehr selbstbewusst rausgehen, um konkurrenzfähig zu sein gegenüber Männer-Teams oder gemischten Teams, weil diese im Schnitt einfach von Haus aus selbstbewusster auftreten. Man muss das Spiel mitspielen in dem Bereich, sonst kriegt man die Deals einfach nicht. Man muss sich selber natürlich damit wohl fühlen, sonst kommt es nicht rüber. Ich würde mir nicht selber untreu werden, aber so wie man sich selber noch damit wohl fühlt, sollte man das Maximum an Show rausholen.

Wir dachten, dass wir das über Transparenz und Ehrlichkeit machen, aber das hat nicht funktioniert, das will keiner sehen, zumindest nicht, so lange nicht mindestens 50% Frauen auf der Investor_Innenseite sitzen, die etwas anderes sehen wollen. Das wird noch dauern, ehe sich dieses Verhältnis angeglichen hat. Weibliche Investorinnen treffen Investmententscheidungen anders als männliche Investoren. Sie achten ähnlich wie die Gründerinnen mehr auf Impact und Sinn – sind in der Branche aber noch schwer und selten zu finden.

Jacqueline, ganz herzlichen Dank für Deine Zeit und dafür, dass Du uns diese Einblicke in das spannende Thema „Gründung“ gewährt hast. Alles Gute für Dich, Elena, Cedric und „entire stories“!

Das Interview führte Dr. Daniela Bravin.

E-Mail: daniela.bravin@jade-hochschule.de
Telefon:  0 4421 985 – 2581


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